Transnistrien-Konflikt

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Nach dem Zerfall der Sowjetunion erlangte Moldawien 1991 die Unabhängigkeit. Doch der schmale Landstreifen zwischen dem Fluss Dnjestr und der ukrainischen Grenze im Osten Moldawiens wollte nicht Teil eines überwiegend rumänischsprachigen Landes werden.

Die Region, in der vor allem Ukrainer und Russen leben, konnte sich weder mit der Einführung von Rumänisch als Amtssprache anfreunden noch mit dem damaligen Staatsziel Moldawiens, einmal in die Rumänische Republik eingegliedert zu werden. Die Abspaltung der Region, die etwas kleiner als das Burgenland ist und in der rund 580.000 Menschen leben, war die Folge. Diese aber ging nicht unblutig über die Bühne. Im Dezember 1991 kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit mehreren hundert Toten. Daraufhin griff die 14. russische Armee in die Kämpfe um Transnistrien ein; noch heute sind 1600 russische Soldaten in der Region stationiert.

Damals witterte der Fabrikant Igor Smirnow seine Chance und ließ sich zum "Präsidenten" wählen. Heute funktionieren im "schwarzen Loch" Transnistrien keine Mobiltelefone, dort kann nur das staatliche Propaganda-Fernsehen empfangen werden. Freie Medien gibt es in Smirnows Reich ebenso wenig wie freie Meinungsäußerung - stattdessen regieren Korruption und Nepotismus.

Wlada Lysenko, die in der transnistrischen Hauptstadt Tiraspol ein Informationszentrum für Jugendliche leitet, wird vom Geheimdienst genau beobachtet. Die 31-Jährige wurde wiederholt von den Behörden festgehalten und über ihre Arbeit befragt. Ihr Telefon wird abgehört. Für ungestörte Gespräche fährt sie von Tiraspol 60 Kilometer in die moldawische Hauptstadt Chisinau. "Der Transnistrien-Konflikt ist kein Problem zwischen der rumänischsprachigen und der russischsprachigen Bevölkerung. Das Problem ist ausschließlich eines der politischen Führer", sagt Lysenko.

Auch die benachbarte Ukraine ist an einer Lösung des Konflikts interessiert. Präsident Viktor Juschtschenko unterbreitete erst vor Tagen einen neuen Vorschlag, der noch vor Ende des Jahres freie Wahlen in der abtrünnigen Provinz vorsieht. Was Igor Smirnow von dieser Idee hält, ist bisher unklar. In Chisinau begrüßt man jedenfalls den ukrainischen Vorstoß.

In der Hauptstadt zerbrechen sich die Politiker derzeit aber vor allem darüber die Köpfe, wie man sich der EU annähern könnte. Die EU-Frage war auch das Hauptthema im Wahlkampf zu den Parlamentswahlen, aus denen im März die kommunistische Partei als Siegerin hervorging. "Wir wollen eine EU-Partnerschaft. Wir bereiten uns auf die EU vor, auch wenn wir kein Kandidat sind," erklärt Parlamentspräsident Marian Lupu. Doch für Europas ärmstes Land bleibt die EU-Mitgliedschaft ein weit entfernter Zukunftstraum.

Quelle

Weblinks

  • [1] - Artikel in Moldawien Yahoogroups